London Tag 4

Das denkwürdigste Frühstück haben wir im Dino’s
in der Kensington Church Street erlebt. Die ältere Bedienung ist
absolut überfordert, obwohl nur wenige Tische besetzt sind. Sie nimmt
die Bestellung schriftlich auf, es dauert und dauert. Schließlich
kommen die ersten Bestandteile des Essens, es fehlen aber Besteck,
Getränke, anstelle von Marmelade kommt Jam… Es dauert. Sie kommt
wieder: "sorry I lost control" – und fragt nach, was wir geordert
haben. An zwei Nebentischen wiederholt sich das Spielchen. ein Gast
fordert seinen bestellten Saft ein: sie fragt nach, was es denn gewesen
sei: pineapple juice, sagt er für jeden verständlich. Sie verschwindet,
nach geraumer Zeit bringt sie: apple juice. Als er auf pineapple
besteht, knallt sie das Glas auf einen leeren Tisch und verschwindet
wieder. Wir Gäste beginnen, diese slapstickartige Situation zu
beschmunzeln. Die Art, wie sie häppchenweise und völlig planlos
anfängt, leere und noch besetzte Tische abzuräumen, ist gelinde gesagt
erstaunlich. Zwischendrin gibt es Zoff mit dem Chef hinter dem Tresen –
auch er ist mit der Situation sichtlich unzufrieden. Sie bringt uns die
Rechnung, wir legen einen Schein darauf. Sie kommt wieder, reißt uns
den Teller aus der Hand – sie hätte zu wenig berechnet, die Rechnung
sei falsch, wir müssten mehr bezahlen. Chaos pur, aber erheiternd ;-))
Als wir übrigens am nächsten Tag wieder zur Frühstückszeit am Lokal
vorbeigehen, bedient jemand anderes 😉

Da Tube Strike angesagt ist, gehen wir wieder die nette
Kensington Church Road mit ihren Läden (da gibt es doch tatsächlich
einen Laden, der auf Gehstöcke spezialisiert ist) hinauf in Richtung
Notting Hill Gate. In einer Art modernem Antiquariat mit reduzierten
Büchern erstehe ich Alain Ducasse, Spoon: Food & Wine für £ 6,99 🙂 Es hätte noch mehr Interessantes gegeben, aber ich will ja nicht alles mitschleppen…

Wir spazieren gemütlich die Portobello Road herunter. Ohne den
Markt ist es hier relativ ruhig und man sieht auch etwas von den
Häusern und Geschäften rechts und links. Bei der Einmündung der
Blenheim Crescent geht’s natürlich nach links:

Zuerst ein Besuch im "Spice Shop"– dort entdecke ich "Kashmiri-Chillies", die mir nach dem ausgiebigen Gebrauch von Camellia Panjabis Buch Indische Currys ein Begriff sind.

(Beim Schreiben dieses Eintrags wieder zu Hause vergleiche ich
die Chilis mit den Fotos aus dem Buch: dort sind die Kaschmir-Chilis
nicht so schmal, sondern deutlich breiter als die gekauften. Panjabi
unterscheidet auch Kaschmir-Chilis und "sogenannte Kaschmir-Chilis",
das sind verwandte Sorten, die in ganz Indien angebaut werden. Tja, was
habe ich jetzt gekauft? Egal, demnächst wird damit gekocht.)

Dann ins "Books for Cooks",
das muss natürlich sein. Hier kann man stundenlang in Büchern aus aller
Welt stöbern und im hinteren Teil auch eine kleine Stärkung zu sich
nehmen. Ich nehme das Wagamama Kochbuch mit, ein Besuch dort steht nämlich für morgen Abend auf dem Programm.

Ein kurzer Gang durch ein italienisches Spezialitätengeschäft, dann nach rechts zur Lisboa Patisserie,

einige süße portugiesische Leckereien für den Hunger zwischendurch 😉

in dem dazugehörigen kleinen Supermarkt auf der anderen Seite
gibt es allerlei portugiesische Spezialitäten sowie einige Lebensmittel
aus Brasilien, die Kathi ganz wehmütig machen wie Goiabada
(Guavenpaste) und natürlich Feijao (Bohnen). Ich kaufe noch ein Tütchen
Piripiri (scharfe kleine Chilis, in Portugal hauptsächlich für "Frango Piripiri"- ein scharfes Hähnchengericht, siehe auch hier – gebraucht), wiegt ja nicht viel 😉

Die Heimfahrt treten wir mit dem Bus an, da die Tube immer noch streikt.

Wegen des Fußballspiels Portugal-Niederlande wollen wir in der
geräumigen Bar des Hotels essen. Lager und Cider sind gut, das Essen
dagegen grottenschlecht. (Steak & Kidney Pie, Chicken &
Mushroom Pie gibt es jeweils mit einer Pint Chips (dubios), die Füllung
ist pappig und schwer – sowie eine Seafood-Platte, die sich als
Voll-TK-Fritüre entpuppt. Schnell vergessen! Immerhin gewinnt Portugal
2:1 🙂

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