Faschingsgebäck: Schneeballen

Beim Wegräumen der weihnachtlichen Keksdosen ins Kellerregal ist mir wieder einmal ein Gerät in die Hände gefallen, was mir vor vielen, vielen Jahren eine in Rothenburg wohnende Freundin aus Studientagen besorgt hat: ein Schneeballeneisen. Diesmal habe ich es aber nicht wie sonst nach hinten geschoben, sondern es für die Faschingszeit in Sichtweite platziert.

Rothenburger Schneeballen

Fettgebackene Schneeballen haben eine lange Tradition und wurden gerne zu besonderen Anlässen wie etwa Hochzeiten, aber auch als Fastengebäck gebacken. Besonders verbreitet sind sie in Franken – vor allem im Raum Rothenburg kommt man ihnen kaum aus – aber auch im Hohenlohischen und in Österreich finden sich die puderzuckerbestäubten Kugeln aus verdrillten Teigstreifen.

Auffädeln des Teiges

Rezepte für den Mürbeteig gibt es wie Sand am Meer. Grundzutaten sind Mehl, oft nur Eigelb, aber auch ganze Eier, Butter, süße oder saure Sahne, Salz und Zwetschgenschnaps (ersatzweise auch Rum oder Arrak, auch Zitronenschale wird eingesetzt), Zucker findet sich nicht überall. Ich habe mich hier an das Rezept gehalten, was mit dem Eisen kam, musste aber etwas mehr Mehl verwenden, damit ich den Teig ausrollen konnte.

Nach einer Ruhezeit im Kühlschrank teilt man den Teig in Portionen à etwa 70 g, wallt sie zu gut Handtellergröße aus und radelt mit dem Teigrädchen parallele Schnitte in den Teig, der Rand soll aber noch zusammenhalten. Nun fädelt man einen Kochlöffelstiel durch die Teigbänder, hebt alles hoch und lässt den Teig locker in die untere Schale des Eisens gleiten (ich habe mit der Hand etwas nachgeholfen), schließt es…

Teig im Topf

…und taucht das Eisen ins heiße Fett.

Schneeballen fertig

Wenn man alles richtig gemacht hat, kullern nach etwa 4 Minuten goldbraune Kugeln aus der Form.  Nach kurzem Abtropfen bestäubt man sie kräftig mit Puderzucker – und schon hat man auch in einem weitgehend schneefreien Winter haltbare Schneebälle in der Hand 🙂

Bei der Bewertung scheiden sich in der Familie die Geister. Helmut liebt sie nicht gerade, er findet sie zu trocken. Ich mag es, nach und nach die knusprigen, leicht süßen Streifen abzubrechen und aufzuknabbern, aber ich bin ja auch ein Fan von Scherben, Hasenöhrl, Fastnachtschüechli und Verwandtem.

Screenshot Schneballen

Beim Backen kamen übrigens Erinnerungen hoch. Ich habe daraufhin mal in alten Kisten und Alben gekramt und bin tatsächlich auf zwei Fotos von 1975 gestoßen. Damals habe ich in Würzburg studiert, nach Rothenburg war's ja nicht weit – und natürlich standen da auch Schneeballen auf dem touristischen Programm. Ich habe die Bilder mal eingescannt, viel Spaß mit dem Screenshot!

Hier eine Zusammenfassung der weiteren im Blog vorgestellten faschingstauglichen Gebäcke:

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Rothenburger Schneeballen
Kategorien: Gebäck, Fasching, Frittieren, Franken
Menge: 8 Stück

Zutaten

2     Eier (P: L)
55 Gramm   Zucker
55 ml   Sahne
15 Gramm   Zwetschgenwasser
55 Gramm   Butter; zerlassen, aber nicht warm
1 Prise   Salz
275 Gramm   Mehl (P: Weizendunst, Original 222 g)
  Reichlich   Fett; zum Ausbacken (P: frittiertaugliches Öl)
      Puderzucker; zum Bestreuen

Quelle

  Menge heruntergerechnet nach einer
  Beilage zu einer Schneeballenform aus
  Rothenburg/Tauber
  Erfasst *RK* 12.02.2014 von
  Petra Holzapfel

Zubereitung

Für den Teig die Eier mit Zucker schaumig schlagen. Sahne und Zwetschgenwasser hineinschlagen und die zerlaufene, aber nur lauwarme Butter langsam darunterarbeiten. Jetzt das Mehl und Salz zugeben und gut unterkneten. Der Teig soll glatt sein (P: meiner war mit der Originalmenge Mehl nicht ausrollbar, ich habe deshalb nach und nach noch 50 g untergeknetet – der Teig ist aber immer noch ziemlich weich). Den Teig mindestens 30 Minuten kalt stellen.

Stücke von etwa 70 g abteilen und zu Kugeln rollen.

Das Fett in einem nicht zu breiten Topf* auf 175°C bringen.

Die Kugeln auf leicht bemehlter Arbeitsfläche zu gleichmäßigen, etwa 1 mm dicken gut handtellergroßen Platte ausrollen.

Mit dem gezackten Teigrädchen im Abstand von etwa 1 cm parallele Schnitte in der Platte anbringen, der Rand der Platte (auch 1 cm breit) muss aber unverletzt bleiben.

Nun einen Kochlöffelstiel so durch die Streifen fädeln, so dass immer einer oben, der nächste unten zu liegen kommt; leicht zusammenschieben und den letzten Streifen über den ersten ziehen.

Diese Teigknödel in die untere Hälfte der durchlöcherten Backkugel schieben, die obere Hälfte darüberklappen und die Form in das heiße Fett tauchen. Unter gelegentlichem Drehen in etwa 4 Minuten goldbraun ausbacken.

Die Form aus dem Fett heben, abtropfen lassen und den Schneeballen zum weiteren Abtropfen auf ein mit Küchenpapier belegtes Gitter setzen. Noch warm rundum mit Puderzucker bestreuen.

Die fertigen Schneeballen sind in einer Gebäckdose gut haltbar.

Anmerkung Petra: schön knuspriges, nicht zu süßes Gebäck, was allerdings etwas trocken ist – nicht jeder mag das.

*zum Ausbacken einen schmalen hohen Topf verwenden (Spargeltopf), damit man nicht zu viel Fett braucht.

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29 Antworten auf „Faschingsgebäck: Schneeballen“

  1. Tolle Fotos! Ich kenne Schneeballen, habe sie auch schon gegessen. Damals waren sie mit Zimt/Zucker bestreut. Ich schließe mich da aber Deinem Mann an, muss ich nicht unbedingt haben… Dann lieber doch einen Kreppel 😉

  2. Oh….Schneeballen, an die habe ich mich noch nicht herangetraut; ich bewundere sie immer nur aus der Ferne. Und danke für die Fotos…ich war da grade in der 2. Klasse – aber an die Mode kann ich mich noch gut erinnern….

  3. Du bist der Zeit voraus, voll die Hipsterbrille. 😉 Und zu den Schneeballen habe ich mich ja schon bei Instagram geäussert. Nächstes Mal probier ich dann einen, wobei ich lieber einen von dir möchte…

  4. Oh davon hätte ich jetzt auch gerne einen. Hatte mir letztes Jahr ein Eisen gekauft, aber bisher noch nicht ausprobiert. Werde mir dein Rezept gleich mal ausdrucken.

  5. So etwas habe ich noch nie gegessen! Ich weiß zwar theoretisch, dass es die Dinger in Österreich geben sollte, aber praktisch habe ich sie noch nie gesehen. Vielleicht sollte ich einmal ein Eisen kaufen und mich selber ans Werk machen.

  6. Vor lauter Nostalgie-Fotos geht jetzt fast die Kunst der Schneeballherstellung verloren. Also, ich finde beides faszinierend und wieder ein Beispiel dafür, wie Du mit einem großen Invest an Zeit und Liebe die Deinen verwöhnst, Sachen ausprobierst und dabei Deine Neugierde befriedigst, Dir selbst auch Spaß machst und uns daran teilhaben lässt. Danke, Petra!!!
    Die Ballen selbst zu machen schien mir auch immer etwas Fitzelkram (ein Geduldspiel für einen Tag wie heute, wo’s so nasskalt ist, dass man eh nix besseres tun kann), so ein Eisen habe ich auch nicht. Bei uns ist die Aufteilung genauso, ich knabbere mich auch gerne von außen nach innen durch und mag sie.
    Die Fotos sind natürlich klasse!!! Und die Frisur. Und die Klamotten. Und der Blick links erinnert mich an Kochfrosch, woher das wohl kommt… 😉

  7. Interessant. Sind diese Ballen nicht etwas hart? Sie sehen nicht so zerbrechlich aus wie Deine Fasnachtschüechli. Letztere sehen bei Dir etwas kleiner aus und auch etwas stabiler als die in der Schweiz zur Fasnachtszeit verkauften. Wir nennen sie übrigens Oehrli oder Fasnachtsöhrli, aber dies vielleicht nur in der Ostschweiz.
    Falls Du Deine Kollektion an Faschings-Gebäck erweitern möchtest wären da noch Schenkeli aus der Schweiz, Rezepte im Internet von Betty Bossi (mit Kirsch) bis Annemarie Wildeisen (ohne Kirsch).

  8. Oh, endlich wieder in der WiFi-Zone werde ich gleich von einem meiner liebsten Foodies mit so einem hübschen Screenshot beglückt – zu süß, in doppeltem Sinn 🙂
    …liebe Grüße von unterwegs, Micha

  9. Aaalso – die fünfte Jahreszeit heisst Karneval und nicht Fasching, aber datt ist meiner ‚Rheinischen Seele‘ geschuldet.
    Die Schneeballen sehen nur genial aus – ich werde sie zwar definitiv nicht so doll hinbekommen werde aber die kleineren Version mangels eines Eisens mal ausprobieren – wenn ich keinen Nervenzusammenbruch beim ‚Falten‘ bekomme 😉

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