Fettphobiker wegschauen: es gibt geräucherte Schweinebacke!

Das neue Jahr ist schon ein paar Tage alt, endlich geht es auch hier weiter – die Weihnachtspause hat leider etwas länger gedauert als geplant. Dabei plagt mich schon ein ganz schlechtes Gewissen, habe ich doch bisher noch gar nicht von Ulrikes Carepaket "SHsFnB" (Schleswig-Holstein schickt Fresspaket nach Bayern) berichtet, das hier schon vor Mitte Dezember eingetroffen ist:

Paket aus Schleswig-Holstein

Da hatte ich ganz arglos einen Kommentar zu Ulrikes Ochsenschwanz aus dem Slowcooker geschrieben – und im Handumdrehen brachte der Postbote ein großes Paket mit diesem gut gekühlten Inhalt. Ich habe mich riesig gefreut! Als kleines Dankeschön gab es dafür etwas Bayerisches für den Norden.

Am Wochenende darauf kam dann auch bei uns das im Crockpot geschmurgelte Ochsenschwanzragout mit angebratenen Schweinebackenwürfelchen auf den Tisch – allerdings wurden dafür nur 200 g gebraucht. Ulrike hatte neben die dicke Packung mit der Backe freundlicherweise gleich noch Schinkenkohlwürste dazu gepackt, das schrie natürlich nach Grünkohl mit den entsprechenden Beilagen. Aber Grünkohl ist hier schwer zu kriegen – und vom Viktualienmarkt wollte ich die dort gesichteten Wedel der Palme aus dem Norden bei gräuslichem Wetter nicht durch die Stadt und in die U-Bahn tragen.

Schweinebacke mit Wirsing

Also wurde ein Teil Backe eingefroren und mit dem Rest gab es noch vor Weihnachten ein Kontrastprogramm: Wirsing anstelle von Grünkohl. Der Wirsing kam in einer körnigen Senf-Sahne-Sauce daher – eine wunderbare Beilage auch für andere Gerichte, mit ein paar guten Salzkartoffeln auch ein ausgezeichnet Vegetarier-geeignetes Rezept. Dazu die Schweinebacke – wir waren begeistert. Klar, die ist ziemlich fett  – unsere Kinder und sicher auch andere Leser dieses Blogs würden sich mit Grausen wenden und auch ich hätte sie früher unter Garantie abgelehnt. Aber man wird ja mutiger, probiert mehr und siehe da: butterzart und aromatisch, ein Genuss.  Man muss den Fettrand ja auch nicht gerade komplett verzehren…

Der Grund für die lange Blog-Pause war übrigens zum einen natürlich der Besuch
von Kindern und Freunden, die nach Weihnachten leider sukzessiv von
einem Magen-Darm-Virus befallen wurden, was die Behaglichkeit etwas
trübte (Tochter 2 und die Eltern blieben freundlicherweise verschont). Zum anderen war mein alter Computer noch vor Weihnachten
in einen Dauerschlaf gefallen (immerhin ließ er sich im abgesicherten
Zustand noch alle Daten entlocken), was einen Spontan-Neukauf mit
Windows 7 und damit eine Entrümpelung und Aktualisierung diverser
Programme notwendig machte, für die zwischen den Feiertagen kaum Zeit
war. Das nutzten die beiden Jüngsten, um ihre Farmen zu beackern – immer wenn ich an den Computer bzw. ans Notebook wollte, war der Platz besetzt…

Grünkohl mit Kochwurst und Schweinebacke

Seit gestern ist das Haus wieder leer und so konnte mit inzwischen in einem nicht-heimischen Supermarkt erstandenem TK-Grünkohl die restliche Schweinebacke doch noch ihrer geplanten Verwendung zugeführt werden: Ich habe Zwiebelwürfelchen in etwas Entenschmalz angebraten, den Grünkohl zugegeben und mit guter Fleischbrühe aufgegossen. Langsam garen lassen, dabei die Schweinebacke in den Kohl gebettet. Eine halbe Stunde vor Schluss kamen die Schinkenkohlwürste dazu. Dazu gab es angebratene La Ratte-Kartöffelchen, die mit Zucker karamellisiert wurden. Ein Essen, was perfekt zur klirrenden Kälte passte und mich an den Schneewinter 1978/79 in Kiel erinnerte. Danke Ulrike – vielleicht darf ich nächsten Winter wieder nach einem Carepaket fragen?

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Schweinebacke mit Wirsinggemüse
Kategorien: Fleisch, Schwein, Hauptgang, Gemüse, Kohl
Menge: 4 Portionen

Zutaten

1     Zwiebel (100 g)
3     Knoblauchzehen
1     Rosmarinzweig
1     Nelke
1     Lorbeerblatt
1/2 Essl.   Schwarze Pfefferkörner
800 Gramm   Geräucherte Schweinebacke
800 Gramm   Kleine festkochende Kartoffeln
      Salz
700 Gramm   Wirsing
1     Rote Pfefferschote
1 Essl.   Körniger Senf
400 ml   Schlagsahne
100 Gramm   Frische Perlzwiebeln
20 Gramm   Butter
2 Essl.   Öl
      Pfeffer

Quelle

  essen & trinken 2/03
  Erfasst *RK* 10.02.2007 von
  Joachim Klang

Zubereitung

1. Zwiebel und Knoblauchzehen halbieren und mit Rosmarin, Nelke, Lorbeerblatt und Pfefferkörnern in 3 l Wasser aufkochen. Schweinebacke dazugeben und zugedeckt bei schwacher Hitze 2 Stunden leise kochen lassen.

2. In der Zwischenzeit die Kartoffeln in kochendem Salzwasser 20-25 Minuten garen. Kartoffeln abgießen, ausdämpfen lassen und pellen. Vom Wirsing die äußeren dicken Blätter entfernen. Die restlichen Blätter putzen, waschen und die dicken Blattstiele keilförmig herausschneiden. Blätter in 3 cm große Rauten schneiden. Wirsing in kochendem Salzwasser 2 Minuten blanchieren, in eiskaltem Wasser abschrecken und in einem Sieb gut abtropfen lassen. Pfefferschote längs halbieren, entkernen und schräg in feine Streifen
schneiden. Senf mit der Sahne verrühren und in einem Topf offen auf die Hälfte einkochen lassen. Perlzwiebeln pellen.

3. Butter und Öl erhitzen und die Kartoffeln mit den Zwiebeln darin bei mittlerer Hitze in 5-6 Minuten goldbraun braten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Wirsing mit der Pfefferschote in die reduzierte Senfsahne geben und 2-3 Minuten bei mittlerer Hitze garen (Petra: etwas länger gegart).

4. Schweinebacke mit einer Schaumkelle aus dem Fond nehmen und in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Mit Wirsinggemüse und Kartoffeln servieren.

Anmerkung Petra: Für 600 g Schweinebacke 2 l Salzwasser (Backe war kaum salzig). 300 g Wirsing netto, 1-2 El körniger Senf (Moutarde de Meaux), 200 ml Sahne, 100 g Schalotten. Sehr schönes Wirsingrezept, die Schweinebacke war butterzart und passte ausgezeichnet. Überschüssiges Fett kann abgeschnitten werden (schmeckt aber ;-))

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23 Antworten auf „Fettphobiker wegschauen: es gibt geräucherte Schweinebacke!“

  1. Ts, also bitte, Kohlwurst, zum Grünkohl gehören jawohl Bregenwürste 🙂
    Gepökelte Schweinebacke hatte ich diesen Winter auch zwei Mal zum Grünkohl – ganz köstlich, das Fett ist garnicht wabbelig-zäh sondern wirklich butterzart! Von einem tollen Münchner Metzger, der sie mir empfohlen hatte. Dass man Grünkohl hier nur mit Strunk bekommt, nervt mich auch – meine Grünkohlwedel haben 3 große Plastiktüten gefüllt.
    Ach, und frohes Neues übrigens 🙂

  2. Schweinebacke? Immer her damit! Ich glaube, ich muss jetzt mal ganz klein schreiben: ich bin der absolute Schwartenfan und das, was empfindliche Naturen als „Glibber“ bezeichnen, esse ich besonders gerne (Norbert wechselt dann schon mal die Gesichtsfarbe, wenn er zuschauen muss). Deshalb ist dieser Eintrag die reine Pein – hier ist Schmalhans Küchenmeister, sonst muss ich mir bald neue Klamotten kaufen.
    Übrigens, an den Winter 78/79 kann ich mich noch ganz genau erinnern. Silvester fing es an zu schneien und hörte nicht mehr auf. Alles war so tief verschneit, wie ich es danach in Rheydt nie mehr gesehen habe. Mein damaliger Freund und ich sind am Neujahrsabend nach draußen gegangen und er kam mit Eiszapfen im Bart zurück. Das war wirklich der Wahnsinn!

  3. Sieht schon lecker aus. Für die Schweinebacke scheint es, wenn überhaupt ein Mindestalter zu geben. Unsere Kinder würden sich auch gruseln, die essen nicht einmal Schmalz. Was denen so entgeht…

  4. Auf den Bildern erscheint mir die Backe aber noch recht „mager“ ;o)
    Zu Hause gabs nach einem üppigen Grünkohlessen die mitgegarte Schweinebacke einen Tag später kalt und etwas dünner aufgeschnitten mit Senf bestrichen auf einer Scheibe Schwarzbrot. Einfach köstlich!!!

  5. Also ein schönes und glückliches Jahr 2010 und im Winter mach ich dich bestimmt wieder glücklich mit der geräucherten Schweinebacke.
    An den Winter erinnere ich mich auch noch gut: Wir liefen in den Alpen auf Gras Skie und je weiter wir nach Norden kamen, desto höher der Schnee. Ich habe meinen Käfer nicht mehr auf seinem Hofplatz gefunden und den ungelogen 8 h freigeschaufelt!

  6. Genau – Silvester! Helmut war zu Besuch (er war damals schon aktuell ;-)) und gemeinsam warteten wir auf einen Freund, der samt einem Bierfässchen(!) per Bahn aus Würzburg anreisen sollte. Verfolgten gespannt die Radioberichte – Handies gab’s ja nicht. Er tauchte dann tatsächlich noch auf, wenn auch reichlich verspätet. Wir gingen dann aus meinem Zimmer unter dem Dach auf die Straße und warfen uns in den Schnee, man konnte dort Engelchen spielen (falls unbekannt: auf den Rücken legen, Arme und Beine bewegen, ergibt einen Engelsabdruck). Und es hat geschneit und geschneit…

  7. Klar: Metzgerei Moser, Schulstr. 46, zwischen S Donnersberger Brücke und U1 Rotkreuzplatz. Unbedingt sagen, dass die Schweinebacke (oder „Schweinsbackerl“, wie man ja hierzulande sagt 🙂 ) gepökelt sein soll, bei mir lag sie nie in der Auslage sondern wurde immer unter lobenden Worten („die is guad, gell?“) aus dem Hinterzimmer geholt. Kaminwurzen hatte ich auch schon, sind ebenfalls super, auch der Rest schaut gut aus.

  8. Das ist wirklich ein extrem gemeiner Anblick. Bei dem Teller werde ich fast ohnmächtig. Januar ist doch der Reduktionsmonat und du arbeitest an der Zerstörung meiner guten Vorsätze. Auch noch mit Bratkartoffeln. Will das jetzt sofort essen!!!!

  9. danke für die Aufnahme der Schweinebacke in den Blogolymp, bin schon seit vielen, vielen
    Jahren ein Fan. Traditionell im Grünkohl oder im Steckrübeneintopf.
    Gruß aus dem verschneiten Bremerhaven

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