5. Blog-Event – Regionale Spezialitäten aus Großmutters Küche: Omas Haselnusstorte

Wie ich schon beim Hinweis auf das 5. Blog-Event schrieb, habe ich einige Schwierigkeiten, die Küche meiner Großmutter (sie war gebürtige Schweizerin) einer bestimmten Region zuzuordnen.

Ich habe dann einfach mal überlegt, was für Gerichte ich mit meiner Großmutter verbinde. Das sind nicht allzuviele, da die Großeltern in Mannheim wohnten und wir in Tübingen. Der Kontakt beschränkte sich so auf einige Besuche im Jahr und war dadurch eher von festlicher als von Alltagsküche geprägt.

Spontan fiel mir sofort ihre „Haselnusstorte“ ein, eine Nuss-Biskuittorte mit einem dünnen Überzug aus echter Buttercreme, die sehr oft auf der Kaffeetafel stand. Doch eigentlich schwebte mir für dieses Event ja etwas herzhaftes vor. Ich habe mir deshalb nach langer Zeit mal wieder ihr erstes Kochbuch vorgenommen:

Das Ralliger Kochbuch der Koch- und Haushaltungsschule in Schloss Ralligen am Thunersee, die sie besucht hat.

Auf der letzten Seite des Buches findet sich diese „Werbung“ für die Schule:

Die Anstalt hat den Zweck, Töchter, welche die geistige und körperlich anstrengende Schulzeit hinter sich haben, zu erfrischen, zu kräftigen und sie gründlich anzuleiten, ein Hauswesen rationell, sorgfältig und haushälterisch zu führen. Sie ist für Töchter aus dem Bürgerstand bestimmt, die dazu befähigt werden sollen, dereinst selbständig ihre Dienstboten anzuleiten. Die Schule steht Schweizerinnen und Ausländerinnen zu gleichen Bedingungen offen. Das Zusammenleben von Schülerinnen verschiedener Nationalitäten soll bildend auf Geist und Sitten einwirken, und die Einzelnen sollen Gelegenheit haben, sich in der deutschen, französischen und englischen Konversation zu üben.“

Beim Durchblättern fallen mir einige lose Blätter entgegen, geschrieben mit einer feinen, gestochenen Schrift – leider kann ich außer den Überschriften nichts lesen. Bei einige Rezepten finden sich handschriftliche Anmerkungen, darunter ist aber keines, was ich bei ihr kennengelernt habe.

Bei Kuchen und Gebäck vermehren sich ihre Anmerkungen – und da findet sich auch eine Haselnusstorte. Das muss der Ursprung „ihrer“ Torte sein: meine Großmutter hat jedenfalls hier schon die Zutatenmengen vermerkt, die sie später immer verwendet hat. Die Torte im Buch ist ein reiner Haselnuss-Biskuit, der „mit süssem, geschlagenem Rahm, einer dicken Vanillecrème oder Backcrème gefüllt und nachher glaciert“ wird. Woher ihre Variante mit Buttercreme stammt, weiß ich nicht. Aber ich weiß jetzt, dass ich fürs Event doch einen Kuchen backen werde – ihre Buttercreme-Haselnusstorte.

Omas Rezept hierfür habe ich mir schon 1974 als angehende Studentin auf Seite 15 (das zeigt, welchen Stellenwert dieser Kuchen damals für mich hatte!) meines ersten selbstgeschriebenen Kochbuchs notiert, was ich anläßlich des Auszugs von zu Hause angefangen habe. Oft habe ich das Rezept seither überflogen, jedoch bis heute nie nachgebacken.

Während im Ralliger Kochbuch Eigelb und Zucker noch eine 3/4 Stunde gut gerührt werden, hat meine Großmutter das auf 15 Minuten reduziert. Ich verwende dafür meine Küchenmaschine – Bequemlichkeit rules 😉 Der Boden ist ein Biskuit aus Eigelb (9 an der Zahl – eben Großmutterküche), Puderzucker, Zitronenschale und -saft, geriebenen Haselnüssen und Eiweiß, ganz ohne Mehlzusatz. Er verhält sich beim Backen mustergültig, da fällt nichts ein.

Zur weiteren Verarbeitung bietet sich an, ihn zu stürzen und die glatte Unterseite als Deckel zu verwenden.

Im schriftlich fixierten Rezept ist nur die Rede von einer Cremeschicht als Füllung. Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr denke ich, dass die Torte auch noch eine zusätzliche dünne Himbeer-Geleeschicht besaß…

Telefonate mit Bruder (keine Geleeschicht – er war aber sowieso nie für Süßes zu haben) und Cousine (ja, doch, da war eine Geleeschicht!) folgen – bei diesen werden weitere Erinnerungen an die Besuche bei Oma wach, jedem fallen kleine Einzelheiten ein. So blieb z.B. bei der Tortendekoration immer ein Rest an Buttercreme übrig, der auf kleine Tellerchen gespritzt und zum Naschen an uns Kinder verteilt wurde. Mein Bruder erinnerte sich eher an die Hasen, die bei ihr oft in der Speisekammer hingen (Opa war Jäger) und an die Schrotkügelchen, die man am Tellerrand sammelte…

Hier die fertige Torte neben einem Foto meiner Großmutter – man beachte den tollen Hut! Auch die Tischdecke stammt noch von ihr und trägt das Monogramm ihres Mädchennamens: Hermine Wuhrmann.

Ohne Brigitte, die dieses Thema vorgeschlagen hat, hätte ich mich sicher nicht so intensiv mit der Vergangenheit beschäftigt, deshalb ein großes Lob an sie, es hat viel Spaß gemacht!

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Haselnusstorte von Oma
Kategorien: Kuchen, Nuss, Creme
Menge: 12 Portionen

Zutaten

H TEIG
9 Eigelb
250 Gramm Zucker
375 Gramm Haselnüsse, gerieben
Zitronenschale
Zitronensaft
9 Eiweiß
H BUTTERCREME
250 Gramm Butter
250 Gramm Puderzucker
1-2 Eigelb
2 Teel. Kakao
H DEKORATION
12 Haselnüsse

Quelle

Rezept nach Oma Hermine Bader
Erfasst von Petra Holzapfel

Zubereitung

Die Eigelb werden mit dem Zucker etwa 15 Minuten gerührt, darauf mengt man die Haselnüsse unter Zugabe von etwas Zitronensaft und
-schale darunter.

Zuletzt fügt man das zu steifem Schnee geschlagene Eiweiß darunter und bäckt die Masse bei mittlerer Hitze (175°C) 60 Minuten.

Für die Buttercreme weiche Butter mit Puderzucker und Eigelb und Kakao schaumig rühren.

Die ausgekühlte Torte aufschneiden, mit einem Teil der Creme füllen, zusammensetzen, mit Creme bestreichen und mit der Spritztülle 12 Tupfen am Rand auspritzen, auf die man jeweils eine Haselnuss setzt.

Anmerkung Petra: in meiner Erinnerung hatte die Torte noch eine zusätzliche Füllung mit Himbeergelee. Ich habe den Boden (glatte Unterseite als Deckel verwenden) deshalb zweimal durchgeschnitten. Der unterste Boden wird mit einer Schicht Buttercreme gefüllt, der zweite Boden mit Gelee bestrichen.

Eigelb mit Puderzucker in der Küchenmaschine ca. 20 Minuten schaumig gerührt.

Buttercreme mit Süßrahmbutter und 1 Eigelb (L) hergestellt. Kuchen in 16 Stücke geteilt.

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3 Antworten auf „5. Blog-Event – Regionale Spezialitäten aus Großmutters Küche: Omas Haselnusstorte“

  1. Grossmutterküche – (k) ein Beitrag

    Morgen ist ja der Stichtag für den deutschen Foodblog-Event, der diesmal unter dem Motto regionale Großmutterküche steht. Einen wunderschönen Beitrag hat bereits Petra von Chili & Ciabatta geliefert – unbedingt ansehen.
    Als ich das so betrachtete, w…

  2. diese torte kenne ich von meiner großmutter. sie wurde mit kaffeebuttercreme gemacht. unsere generation isst sie als geburtstagstorte am liebsten mit geschlagener sahne eingehüllt.
    der mann meiner großmutter oder seine mutter kamen aus mannheim.

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